Zum Inhalt springen
msm/ Mobilität/ FAA eVTOL-Pilotprogramm
Mobilität · USA · Mai 2026

Lufttaxis verlassen das Labor: acht Projekte, 26 Staaten.

eVTOL · Live Airspace
Zusammenfassung

Am 9. März 2026 haben das US-Verkehrsministerium und die Luftfahrtbehörde FAA acht Projekte in 26 Bundesstaaten für das eVTOL Integration Pilot Program (eIPP) ausgewählt. Erstmals sollen elektrische Senkrechtstarter ab Sommer 2026 in regulärem US-Luftraum fliegen — zunächst Fracht, ab Q4 2026 erste kommerzielle Frachtflüge, zahlende Passagiere voraussichtlich ab 2027. Beteiligt sind unter anderem Joby, Archer, Beta, Wisk, Electra und Elroy Air. Das Programm läuft drei Jahre und macht 2026 zum Jahr, in dem das Lufttaxi vom Versprechen zum geregelten Betrieb wird.

Was ist passiert?

Über ein Jahrzehnt lang waren elektrische Senkrechtstarter — auf Englisch electric Vertical Take-Off and Landing, kurz eVTOL — vor allem ein Versprechen aus Hochglanz-Rendern: leise, emissionsfrei, über dem Stau schwebend. Mit dem am 9. März 2026 verkündeten eVTOL Integration Pilot Program (eIPP) beginnt der nüchterne, regulatorische Teil. Aus über 30 eingereichten Vorschlägen wählten DOT und FAA acht Projekte aus, verteilt über 26 Bundesstaaten. Die ersten Flüge im regulären Luftraum sind für den Sommer 2026 angekündigt.

Wichtig ist die Reihenfolge: Geflogen wird zuerst Fracht, nicht Mensch. Autonome und teilautonome Frachtflüge sollen ab dem vierten Quartal 2026 erste Umsätze erzielen. Zahlende Passagiere im urbanen US-Luftraum sind frühestens 2027 realistisch. Diese Staffelung ist kein Rückschritt, sondern genau der Weg, auf dem neue Luftfahrt sicher zugelassen wird: erst die einfacheren Missionen, dann der Mensch an Bord.

Warum das eine echte Wende ist

Drei Dinge unterscheiden das eIPP von früheren Ankündigungen:

  • Geregelter Luftraum statt Testgelände. Bisher flogen eVTOLs auf abgesperrten Arealen mit Sondergenehmigung. Im eIPP werden sie in den realen, gemeinsam genutzten Luftraum integriert — der eigentliche Engpass jeder neuen Luftfahrt.
  • Breite des Anwendungsspektrums. Die acht Projekte decken Lufttaxis, regionalen Personenverkehr, Fracht- und Logistiknetze, medizinische Noteinsätze, autonome Flugtechnik sowie Offshore-Energieversorgung ab. Damit testet das Programm nicht ein Produkt, sondern ein ganzes Verkehrssegment.
  • Verbindlicher Zeitrahmen. Das Programm läuft drei Jahre ab dem ersten Projektstart und liefert der FAA die Daten, auf deren Basis dauerhafte Regeln entstehen — die Voraussetzung für jede Skalierung.

Wer fliegt mit?

Zu den eingebundenen Fluggeräten zählen die Archer Midnight, die Joby S4, die Beta Alia, die Wisk Generation 6 (rein autonom konzipiert), die hybrid-elektrische Electra EL9 für ultrakurze Starts sowie die unbemannte Elroy Air Chaparral für Fracht — ergänzt um die Autonomie-Plattform von Reliable Robotics. Die geografische Bandbreite reicht von New York und New Jersey über einen texanischen Korridor zwischen Dallas, Austin und San Antonio bis zu Passagier-, Fracht- und Medizinflug-Tests in Florida.

Der Hochlauf in Zahlen

eVTOL in den USA — prognostizierte kommerzielle Flüge
Schätzung in Tausend Flügen pro Jahr · Quelle: msm-Schätzung auf Basis FAA/DOT, Wood Mackenzie · in Tsd.
8
ausgewählte Pilotprojekte
26
beteiligte Bundesstaaten
3 Jahre
Laufzeit ab erstem Projektstart

Internationaler Kontext

Die USA sind nicht allein. China treibt mit EHang und anderen Anbietern bereits autonome eVTOL-Personenflüge voran und hat in einzelnen Städten Betriebsgenehmigungen erteilt. Das eIPP ist Washingtons Antwort darauf: ein strukturierter, datengetriebener Pfad, der Sicherheit und Tempo verbinden soll. Für Europa, das mit Anbietern wie Volocopter und Lilium eigene Wege gegangen ist, liefern beide Modelle wertvolle Referenzpunkte.

„Der Durchbruch beim Lufttaxi ist nicht der erste Flug über einer Messe. Er ist der erste Flug, bei dem niemand mehr eine Sondergenehmigung braucht."

Was bleibt offen?

Drei Fragen entscheiden über den weiteren Verlauf. Erstens die Infrastruktur: Vertiports, Ladekapazität und Flugverkehrskontrolle für niedrige Höhen existieren erst in Ansätzen. Zweitens die Akzeptanz: Lärm, Sicherheit und Datenschutz über bewohnten Gebieten müssen sich im Realbetrieb bewähren. Drittens die Wirtschaftlichkeit: Erst wenn die Kosten pro Sitzplatzkilometer unter die eines Hubschraubers und perspektivisch eines Premium-Taxis fallen, wird aus Technologie ein Verkehrsmittel. Das eIPP liefert genau die Realdaten, an denen sich diese Fragen klären lassen.

Original-Quellen

Mehr direkt beim US Department of Transportation und in der Fachpresse.

Quellen

  1. US Department of Transportation — FAA Unveils Eight Selections for Pilot Program Testing Next-Gen Aircraft: transportation.gov
  2. AeroTime — FAA selects eight eVTOL pilot projects: aerotime.aero
  3. Aviation Week — FAA Selects Eight Projects For eVTOL Integration Pilot Program: aviationweek.com
  4. The Register — FAA launches flying taxi pilot program spanning 26 states (10. März 2026): theregister.com
  5. EVXL — DOT & FAA Select 8 EVTOL Projects Across 26 States: evxl.co
  6. Live Science — The first flying taxis could start operating in 2026: livescience.com